Kevin Großkreutz setzt dem BVB die Pistole auf die Brust

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Sebastian Kehl und Kevin Großkreutz
Sebastian Kehl (li.) und Kevin Großkreutz (Quelle Instagram @fischkreutz)

Zwei Mal Deutscher Meister. Zwei Mal  Supercup-Sieger. Ein Mal DFB-Pokalsieger. Ein Mal Weltmeister. Ansich liest sich die Vita von Kevin Großkreutz so, wie sie sich jeder im Kindesalter erträumt. Profifußballer bei seinem Lieblingsverein. Dort, wo man selbst auf der Tribüne stand. Und sein Leben lang stehen wird. Wenn auch nur im Geiste – aus privatem Zeitmangel. Nun setzt Kevin Großkreutz seinem Lieblingsverein jedoch die Pistole auf die Brust.

Gestern Abend berichteten die Medien, allen voran die Sportbild, dass Kevin Großkreutz sich umentschieden und doch wieder was mit dem Profifußball zu tun haben möchte. Er möchte sich bei Borussia Dortmund fit halten, um seine Optionen in naher Zukunft abzuwägen. Selbstredend möchte er nicht bei den Profis trainieren, sondern bei den Amateuren. Die Anfrage kam von ihm selbst, aber: hat Borussia Dortmund überhaupt eine Wahl?

Nach mehreren Eskapaden in den vergangenen Jahren spaltet Kevin Großkreutz auch in Dortmund die Fanlager in zwei Bereiche auf: die, die sagen: »was ist das denn für ein Spinner? Er hat eine Vorbildfunktion!« Und die, die sagen: »Er ist auch nur ein Mensch. Natürlich verdient er sehr viel Geld, aber darf er deswegen keine Fehler machen?«

Natürlich darf er. Er darf sich auch gerne mit Krankenschreibung auf eine Party begeben. Jeder von uns (na gut, 90%) hat das doch schon mal getan. Und wenn es nicht für eine Party war, dann für Spiel des Lieblingsvereins. Dieser angenehme Nervenkitzel, nicht von den Kameras eingefangen zu werden und im Fernsehen zu landen – sonst ist der Job weg.

Vielleicht pinkelt man auf dem Weg zum Spiel in bester Wildpinkler-Manier auch mal in Gebüsche. An Häuserwände. Direkt vors Stadion. Aber nicht in eine Hotellobby. Und schon gar nicht nehmen wir Minderjährige, angehende Profifußballer mit zum Saufen und Spaß haben in umstrittene Viertel unserer Stadt. Unter der Woche wohlgemerkt.

Kevin Großkreutz hat vieles getan. Viel für die Fans, viel für den Verein. Er ist die Inkarnation der fleischgewordenen Südtribüne auf dem Rasen gewesen. Das Sprachrohr gegen den wachsenden Kommerz. Wenn man die Tribüne nicht wahrgenommen hat, wahrnehmen wollte, hat Kevin Großkreutz sich dafür geopfert. Für nichts zu Schade, für nichts zu gut. Das hat und wird ihm auch die Nörgler-Fraktion niemals vergessen.

Und das ist für den Verein Borussia Dortmund, für die Etage, die entscheidet, ob er mittrainieren darf, ein Problem. Sie können nur zustimmen. Eine Absage an den Fanliebling überhaupt wäre ein Dolchstoß in die Schwarz-Gelben-Herzen, die Kevin Großkreutz jahrelang mit mangelnder Technik, dafür aber mit Kampf, Einsatz und Leidenschaft erobert hat. Der mediale Aufschrei, die Revolte, wäre gnadenlos. Ich lehne mich aus dem Fenster und sage: Herzlich Willkommen zurück beim BVB II, Kevin Großkreutz!

 

 

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