Diagnose Kreuzbandriss – was sind die Kreuzbänder denn überhaupt?

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Kreuzband gerissen - und jetzt?

Sobald ein Kreuzbandriss diagnostiziert wurde stellt sich für die Betroffenen die Frage, wie die Verletzung am besten behandelt wird. Für Menschen jungen Alters sowie sportlich aktive bleibt nur eine Möglichkeit: die Operation. Durch diese wird die volle Funktionalität und Stabilität des Kniegelenks wiederhergestellt. Es muss  also ein Kreuzbandtransplantat eingesetzt werden, dass ähnliche physikalische und biomechanische Eigenschaften besitzt wie das gerissene Kreuzband. Das Problem: solche überflüssigen Bänder besitzt der menschliche Körper nicht.

Körpereigene Sehne als Kreuzbandersatz

Deshalb muss als Ersatz eine Sehne herhalten, auf die der menschlische Körper im Notfall verzichten kann. Dafür bieten sich zwei Alternativen: die Semitendinosussehne (Oberschenkel) sowie die Patellarsehne (Schienbein und Kniescheibe). Die Sehnen wandeln sich im Laufe der Zeit zu einem Bandersatz um, wodurch sich auch die Rissfestigkeit erhöht. Daher rührt auch die lange Verletzungszeit. Die Umwandlung von Sehne zu Band dauert. Und zwar je nach Mensch unterschiedlich. Als Faustregel gilt, dass die Umwandlung zwischen Monat 3 und 6 einsetzt und abschließt. In der Umwandlungsphase ist das neue Kreuzband instabil und von jeglichen Sportarten, die das Kreuzband stark belasten, abzuraten.

Während die Semitendinosussehne komplett entnommen und mehrfach gefaltet wird, entnimmt man bei der Patellarsehne nur rund 0,5cm in der Breite. Der Stabilität tut dies jedoch keinen Abbruch. Patellarsehnenrisse nach Entnahme sind sehr, sehr selten. Genrell, auch ohne Entnahme, ist eine Entzündung der Patellarsehne häufiger und schmerzhafter, als ein kompletter Riss.

Vor- und Nachteile der jeweiligen Sehne

Durch die Entnahme der Semitendinosussehne wird die Oberschenkelmuskulatur vor allem in der Beugung geschwächt. Ein intensives Training kann dies ausgleichen. Darüber hinaus gehört der Halbsehnenmuskel zu der Muskelgruppe, die das Kreuzband entlasten soll; dahingehend ist der Verlust doppelt hart. Denn: die hintere Oberschenkelmuskulatur soll einem Riss des Kreuzbandes vorbeugen.

Die Zeit der Einheilung ist bei einem Semitendinosussehnen-Implantat verzögert, da die Sehne ohne Knochenblöcke entnommen und eingesetzt wird (heißt: es befinden sich keine Knochenstücke an den Enden der Sehne). Auch wird mehr Fixationsmaterial als bei der Patellarsehne benötigt. Die Zug- und Reißfestigkeit der Semitendinosussehne ist geringer als die der Patellarsehne, reicht aber aus, um die volle Funktionalität des Kniegelenks wiederherzustellen und ein neues, stabiles Kreuzband abzugeben.

Patellarsehne als Ersatz

Die Patellarsehne kann man auch als Kniescheibenband bezeichnen. Sie ist bei einem Erwachsenen etwa 25 mm breit. Die Sehne ist unabdingbar für die Streckung im Knie und kann daher nicht komplett entnommen werden. Als Kreuzbandersatz werden, je nach Chirurg und Krankenhaus, in etwa 6-11 mm mit Knochenblock aus der Kniescheibe und dem Ansatz am Schienbeinkopf entnommen. Im Gegensatz zur oben erwähnen Semitendinosussehne befinden sich somit knöcherne Stellen an den Enden der Sehne.

Durch die Knochenblöcke ist eine gelenknahe Fixation von Knochen an Knochen möglich. Dies ermöglicht eine schnellere, knöcherne Einheilung – und verringert somit die Reha-Zeit des Patienten. Die primäre Reißkraft der Patellarsehne als Transplantat liegt etwa 40% über der des ursprünglichen Kreuzbandes. Aus diesen Gründen ist die Patellarsehne für schnelle »high-impact« Sportarten wie Fußball, Handball oder Basketball sehr gut geeignet.

Begleiterscheinungen

Manche Patienten entwickeln ein sogenanntes Patellarspitzensyndrom und/oder Schmerzen an der Kniescheibe beim Knien auf der Entnahmestelle. Menschen, die bei ihrem Beruf oder in der Freizeit viel knien (Fliesenleger oder Gärtner) sollten sich über die Verwendung der Patellarsehne als Transplantat verstärkt Gedanken machen. Auch wird stark religiösen Menschen von der Verwendung der Patellarsehne abgeraten. Ebenfalls ist diese Form der Operation auch für gewisse Sportarten nicht von Vorteil, als Beispiel kann man hier Volleyball aufführen.

Auch ist die Patellarsehne weniger elastisch und dehnbar – die Gefahr für ein Streckdefizit ist höher. Die Kniebeugung und Streckung wird später in der Kreuzbandriss Reha erreicht. Damit wird am ersten Tag nach der Operation begonnen. Prinzipiell besteht auch das sehr seltene Risiko einer Patellarsehnenruptur. Optisch hinterlässt die Entnahme einer Patellarsehne als Transplantat eine größere und somit sichtbarere Narbe als die Semitendinosussehne.

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