Diagnose Kreuzbandriss – was sind die Kreuzbänder denn überhaupt?

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Verletzter Spieler mit Kreuzbandriss
Verletzter Spieler

Diagnose Kreuzbandriss

Der Begriff Kreuzbandriss schwirrt wie ein Damoklesschwert über jedem, der Kontaktsportarten wie Fußball oder Handball betreibt. Ein verunglückter Zweikampf, eine missglückte Landung, »knack«. Der Sportler merkt sofort, das im Knie etwas kaputt gegangen ist. Die Diagnose folgt nach einigen Untersuchungen beim Arzt: Kreuzbandriss.

Statistisch gesehen reißt in Deutschland knapp alle 7 Minuten ein Kreuzband. Hochgerechnet sind das in etwa 70.000 Kreuzbandrisse jährlich.  Doch was ist das Kreuzband überhaupt und welche Folgen haben Kreuzbandrisse genau?

Die Kreuzbänder und Ihre Funktion

Die Kreuzbänder gehören zum Bandapperat im Kniegelenk der Säugetiere. Heißt also, nicht nur wir Menschen haben sie, sondern auch Hunde oder Katzen (Katzen sind übrigens besonders anfällig). In jedem Kniegelenk befindet sich jeweils ein vorderes sowie ein hinteres Kreuzband.

Sowohl das vordere als auch das hintere Kreuzband stehen ständig unter Spannung. Heißt: die Kreuzbänder sind nicht elastisch. Sobald das Kniegelenk belastet wird, sorgen die Kreuzbänder für eine Zentrierung dessen. Das bedeutet, dass die gegenläufige Beweglichkeit der oberen und unteren Gelenkfläche stark eingeschränkt wird. Um es einfacher auszudrücken: die Kreuzbänder fixieren euer Kniegelenk, in Zusammenarbeit mit Außen- und Innenband.

Das vordere Kreuzband sorgt bei jedem Schritt dafür, dass der Oberschenkelknochen nicht über das Schienbein hinausgleitet. Das hintere Kreuzband hat die umgekehrte Aufgabe: im Gegensatz zum vorderen Kreuzband sorgt es dafür, dass das Schienbein nicht nach hinten und somit unter den Oberschenkelknochen rutscht.

Die Kreuzbänder zentrieren das Kniegelenk also bereits, bevor die Muskeln bei einer Belastung als Stabilisatoren einspringen können. Somit kann man die Kreuzbänder auch als »Sicherheitsgurt« für das Kniegelenk bezeichnen, der immer angelegt und einsatzbereit ist.

Herausdrehen des Unterschenkels als Auslöser für Kreuzbandriss

Das vordere Kreuzband reißt circa zehn mal häufiger als das hintere Kreuzband. Das hängt mit dem »normalen« Unfallhergang zusammen: bei Kontaktsportarten kommt es häufiger vor, dass sich das Kniegelenk verdreht. Vorstellbar ist zum Beispiel, dass das Bein noch fest auf dem Boden steht, während Oberschenkel und Oberkörper sich ruckartig in die andere Richtung bewegen. Ihr steht zum Beispiel noch auf dem Bein, beginnt durch Fremdeinwirkung aber schon zu fallen und den Oberkörper zu drehen. Andere Auslöser könnten sein:

  • Eine missglückte Landung nach einem Sprung
  • Abruptes Abbremsen aus vollem Lauf sowie abrupte Richtungswechsel in vollem Lauf
  • Überstreckung des Kniegelenks
  • Harter, seitlicher Aufprall gegen das Kniegelenk durch Gegnereinwirkung

Im folgenden Video sieht man einen der bekanntesten Pechvögel Deutschlands, Holger Badstuber, im Zweikampf mit Mario Götze. Er verdreht sich beim Tackling unglücklich das Bein; die Folge: Riss des vorderen Kreuzbandes.

Der vordere Kreuzbandriss tritt meistens durch das Herausdrehen des Unterschenkels aus der Beinachse auf. Ebenfalls eine häufige Ursache für Kreuzbandrisse ist das Skifahren: beim Sturz wird der Unterschenkel überdreht oder überstreckt.

Differenzierung zwischen Komplett- und Teilruptur eines Kreuzbandes

Riss ist jedoch nicht gleich Riss. In der Medizin wird zwischen einer Komplett- und Teilruptur unterschieden. Bei einer Komplettruptur reißt das Kreuzband – dem Namen entsprechend – komplett. Die Stabilisierung des Kniegelenks ist in Folge dessen ganz verloren gegangen. Den Kreuzbandriss selbst nimmt man durch ein lautes Knacken im Kniegelenk wahr, was auch für Personen in unmittelbarer Nähe noch hörbar sein kann. Direkt nach dem Kreuzbandriss spürt man eine große Instabilität im Knie: das Kniegelenk knickt ab und zu immer wieder zur Seite weg, sofern man ohne Stütze auftritt. Durch den Riss entsteht eine Blutung im Knie wodurch es anschwillt. Ein geschwollenes Knie ist zumeist ein guter Indikator für eine Verletzung.

Schmerzen können, müssen bei einem Kreuzbandriss aber nicht zwingend auftreten. Begleiterscheinungen, wie der knöcherne Ausriss des Kreuzbandes oder ein zeitgleicher Meniskusriss können schmerzen hevorrufen. Auch die auftretende Schwellung kann Schmerzen verursachen.

Teilrupturen schwierig zu diagnostizieren

Problematischer wird es, wenn das Kreuzband nur teilweise gerissen ist. Die Kreuzbänder bestehen aus Fasern welche von einem Mantel umgegeben sind (dem sog. Synovialschlauch), der dafür sorgt, dass die Fasern des Bandes durchblutet werden. Möglich ist, dass nur die inneren Fasern des Kreuzbandes gerissen sind, die äußere Hülle jedoch intakt ist. Das könnt ihr euch wie beim Fahrrad vorstellen: der Mantel ist heile, aber der Schlauch ist hinüber. Beim Fahrrad ist das ganze nur leichter zu diagnostizieren, weil man den Mantel einfach anheben und drunterschauen kann. Beim Knie geht das leider nicht.

Somit ist eine Diagnose mittels Magnetresonanztomographie (MRT), die Bilder aus dem Kniegelnk liefert, deutlich erschwert. Der untersuchende Arzt hat keine Möglichkeit, Bilder aus dem inneren der Ummantelung zu erhalten. Bei einer Teilruptur kann die Kreuzbandfunktion noch in Teilen erhalten sein, sodass der Betroffene vorerst keine Einschränkungen spürt, sein Knie aber Abnutzungserscheinungen davonträgt. Eine physische Untersuchung durch Arzt oder Physiotherapeut bei Verdacht auf einen Kreuzbandriss ist unabdinglich, da diese die verlässlichsten Diagnosemöglichkeiten bei Verletzungen mit erhaltenem Synovialschlauch, oder Kreuzbandteilrupturen sind.

Kreuzsbandausriss statt Kreuzbandriss

Neben einem Kreuzbandriss kann auch ein Kreuzbandausriss auftreten. Das heißt, das Kreuzband wurde aus seiner Verankerung am Knochen gelockert, oder aber komplet heraus gerissen. Auch in diesem Fall ist die Kreuzbandfunktion vollständig abhanden gekommen, jedoch besteht in diesem Fall die operative Möglichkeit der Refixation der rausgerissenen Stelle am Knochen. Das Kreuzband selbst ist also unverletzt geblieben und muss »nur« wieder befestigt werden.

Damit das Kreuzband reißt sind erhebliche Kräfte vonnöten. Die Rissfestigkeit eines vorderen Kreuzbandes liegt in etwa bei 240 kg. Die hinteren Kreuzbänder sind noch kräfitger, weshalb Kreuzbandrisse dieser Art auch wesentlich seltener sind. Nur 7% bis 10% aller Kreuzbandrisse betreffen das hintere Kreuzband. Ursache hierfür kann zum Beispiel ein Autounfall sein, bei dem das Knie mit hoher Geschwindigkeit gegen Lenkrad oder Amaturenbrett prallt und somit der Unterschenkel schlagartig weit nach hinten gedrückt wird.

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